Raiffeisenbank Lägern-Baregg: Nach den Massstäben des nachhaltigen Bauens realisiert

Nach einer zweijährigen Bauzeit wurde der zweiteilige Ersatzneubau der Raiffeisenbank Lägern-Baregg im Zentrum von Wettingen planmässig fertiggestellt. Das Ensemble mit Hauptsitz der Bank, Café und Wohnungen wurde von den beiden Architekturbüros Nau2 und Mint Architecture gemäss den Schweizer Standards für nachhaltiges Bauen entwickelt und umgesetzt.

Im Jahr 2020 gewannen Nau2 und Mint Architecture als Arbeitsgemeinschaft (ArGe) den Wettbewerb für den Ersatzneubau der Raiffeisenbank Lägern-Baregg in Wettingen. Im Einklang mit den Bestrebungen der genossenschaftlichen Raiffeisen-Bankengruppe legte die Bauherrschaft für den Bau der neuen Geschäftsliegenschaft grossen Wert auf einen sensiblen Umgang mit dem öffentlichen Raum und den Ressourcen.

SNBS-Zertifizierung angestrebt
In enger Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft entwickelten die Büros ein Projekt, das den Anforderungen der beiden etablierten Nachhaltigkeitslabel Minergie-P-Eco und SNBS entspricht. Angestrebt wurde die Erlangung der SNBS-Gold-Zertifizierung (Standard nachhaltiges Bauen Schweiz), welche über die energetische Gebäudequalität hinaus auch die Nutzung, Effizienz und Umweltfreundlichkeit des Gebäudes im Kontext seines Standorts bewertet.

Die Architekten entwarfen einen Ersatzneubau aus zwei kompakten, ökonomisch organisierten Baukörpern, die sich in ihrer Gestaltung an den kleinindustriellen und institutionellen Nachbargebäuden orientieren. Durch die Zweiteilung des Gebäudes wird der Standort verdichtet und durch die beiden markanten Gebäude ein starker Zentrumcharakter geschaffen, der sich auch in der Nutzung widerspiegelt. Im Erdgeschoss der beiden Liegenschaften befindet sich der Hauptsitz der Raiffeisenbank Lägern-Baregg, gegenüber ein Café namens Kafi Zweisam. In den oberen Etagen wurde wertvoller Wohnraum mit 14 Mietwohnungen realisiert, die Blick auf den Lägernhang bieten.

Jean-Lucien Gay, Architekt, Nau2

«Nachhaltiges Bauen fördert die Zusammenarbeit zwischen Architekten und Bauherrschaft und spornt zu innovativen Lösungen an»

Ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig
Das Projekt erfüllt die Anforderungen des SNBS-Standards in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht. Ökologisch der zentrale Aspekt war die Einhaltung der vorgegebenen Obergrenze für den ökologischen Fussabdruck, der Erstellung, Betrieb, Unterhalt und Nutzungsverhalten einschliesst. Entscheidend dafür waren die Materialwahl und die Bauweise. Die Architekten wählten eine hybride Holz-Beton-Konstruktion statt eines reinen Massivbaus, wodurch der Verbrauch an grauer Energie erheblich verringert und eine vorgehängte Fassade im Sinne des Wettbewerbs ermöglicht wurde.

Durch die gewählte hybride Bauweise konnte der Stahl- und Zementbedarf erheblich reduziert und im Hochbau rund 50% Beton eingespart werden. Im Tiefbau trägt der Einsatz von rezykliertem Beton zu einer deutlich besseren Ökobilanz bei. Dank der Grundwasser-Wärmepumpe und der grossen Photovoltaikanlage auf beiden Dächern wird das Gebäude ressourcenschonend geheizt und gekühlt und der tägliche Energieverbrauch deutlich gedrosselt. Den Bewohnern stehen zudem Mieterparkplätze mit vorinstallierten Ladestationen für Elektroautos zur Verfügung.

Ökonomisch und sozial erfüllen die beiden Gebäude die geforderten Standards durch den sorgfältig gewählten Wohnungsmix und durch das Angebot an hochwertigem Wohnraum zu moderaten Mietpreisen. Die Gestaltung des Aussenbereiches der Parzelle berücksichtigt die Bedürfnisse der Mieterinnen und Mieter und schafft mit dem Café und dem Brunnen einen Begegnungsort für die Nachbarschaft sowie das ganze Dorf.

Jean-Marc Stadelmann, Architekt, Mint Architecture

«Die Einhaltung des SNBS-Standards ist ein integrierter Prozess über alle Phasen eines Bauprojektes»

Integrierter Prozess
Der integrierte Prozess zur Einhaltung des SNBS-Standards erstreckte sich über alle Bauphasen. Basierend auf Checklisten der Zertifizierungsstellen wurde das Projekt analysiert und darauf ein Massnahmenpaket erstellt, das sowohl in der Planung als auch in der Ausführung umgesetzt wurde. Die konkreten Aspekte, welche die Bauweise betrafen, folgten den Planungsvorgaben der Minergie-P-Eco ‑Zertifizierung und wurden von SNBS übernommen. Die Überwachung und Dokumentation der Massnahmen sowie den Austausch und die Verhandlungen mit der Zertifizierungsstellen lagen in den Händen einer Expertin für nachhaltiges Bauen, beauftragt von der Raiffeisenbank.

Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft (ArGe) hatte Jean-Lucien Gay von Nau2 die führende Rolle bei den Entwürfen und der Entwicklung der architektonischen Strategie im städtebaulichen Kontext. Mint Architecture brachte ihre Expertise in der Planung und Gestaltung der kommerziell genutzten Flächen ein und übernahm durch Jean-Marc Stadelmann die Projektierung, Ausschreibung und die Bauleitung des Projektes.

Bilder: Roger Frei, Zürich

Auftraggeber
Raiffeisenbank Lägern-Baregg Genossenschaft

Flächen
Gebäudekomplex 1 (Hauptsitz & Wohnungen)

Volumen: 5‘637 m³
Bruttogeschossfläche gesamt: 1‘668 m²
Fläche Filiale und Büros: 244 m²

Gebäudekomplex 2 (Gastronomie & Wohnungen)
Volumen: 5‘779 m³
Bruttogeschossfläche gesamt: 1‘731 m²
Fläche Gastronomie (Kafi Zweisam): 140 m²

Projektbeteiligte
Bauherrschaft

Raiffeisenbank Lägern-Baregg Genossenschaft

Architektur, Innenarchitektur, Bauleitung & Baumanagement
Nau2 und Mint Architecture (Arbeitsgemeinschaft ArGe)

Bauingenieur Massivbau
Gruner AG, Martin Hofmann

Bauingenieur Holzbau, Brandschutzplanung & Bauphysik
Pirmin Jung Schweiz AG

Elektroingenieur & Gebäudeautomation
R+B Engeneering AG

HKL-Planung & Sanitärplanungsautomation
Leimgruber Fischer Schaub AG

Gewerbliche Kälte
b+p engineering GmbH

Expertin Nachhaltigkeit
Basler & Hofmann AG

Bauzeit
2020 – 2023

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